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Was ich eigentlich sagen wollte, oder: Zum Unterschied zwischen «sagen» und «verstanden werden»


«Beim Text muss sich einer quälen, der Absender oder der Empfänger. Besser ist, der Absender quält sich.» (Wolf Schneider)


Texte werden leider oftmals nicht so verstanden, wie sie gedacht waren. Das zeigen uns die vielen kleinen Missverständnisse, die in der täglichen E-Mail-Kommunikation entstehen. Was der «Sender» (ich) sagen will, ist nicht unbedingt das, was der «Empfänger» (mein Gegenüber) versteht. Die beiden von W. Weaver und Claude E. Shannon für das Medium Telefon angewandten Begriffe beschreiben die Komplexität der menschlichen Kommunikation sehr gut.


Die Sache liesse sich auch in den Worten von Thomas Mann zugespitzt formuliert auf den Punkt bringen: «Wir finden in den Büchern immer nur uns selbst. Komisch, dass dann allemal die Freude gross ist und wir den Autor zum Genie erklären.» Ein bisschen radikal ist sie vielleicht, diese Aussage. Unbestreitbar ist aber der Umstand, dass wir Menschen unsere Umwelt und alles, was wir registrieren – und eben auch hören oder lesen – durch unsere eigene «Brille» auffassen. Zum einen ist die menschliche Wahrnehmung selektiv; zum anderen werden Reize nach individuellen Kriterien verarbeitet. Die Wahrnehmung und Interpretation von Informationen ist also immer persönlich, denn sie basiert grundsätzlich auf persönlichen Erfahrungen und Erlerntem.


Sich bewusst machen, dass der Prozess von «Senden» und «Empfangen» grundsätzlich für Fehler anfällig ist, markiert bereits den ersten Schritt auf dem Weg zu einer klareren, verständlicheren Kommunikation. Wenn man einmal für diesen Umstand sensibilisiert worden ist, lohnt es sich in einem zweiten Schritt, beim Kommunizieren – sei es mündlich oder schriftlich, zum Beispiel beim Versenden einer E-Mail an eine Arbeitskollegin – vorgängig ein paar grundsätzliche Überlegungen anzustellen:


1. Weiss ich, was ich überhaupt sagen will?

Das klingt banal, aber meistens wird Fehlkommunikation verursacht, weil dem Sender selbst die Botschaft nicht wirklich zu 100 % klar ist. Die Auseinandersetzung mit dieser Frage ist immer wertvoll: Sie ermöglicht es, sich über einen Sachverhalt Klarheit zu verschaffen.


2. Habe ich mich kurz und präzise ausgedrückt?

Im Sinne der KISS -Regel («keep it short and simple») sollte man umständliche Umschreibungen immer vermeiden, jedes überflüssige Wort streichen und auf eine klare Formulierung achten.


Auch nach dem «Senden» gibt es noch Überlegungen, die einer klaren Kommunikation dienlich sein können:


3. Weiss ich, dass ich richtig verstanden wurde?

Hier ist die Antwort simpel: Nachfragen! Bei einer E-Mail mit komplexem Inhalt lieber zum Hörer greifen und prüfen, ob der Inhalt korrekt aufgefasst wurde. Falls nicht, kann man diesen eingehender erläutern. Erst, wenn das Gegenüber die Botschaft in eigenen Worten neu formuliert hat und diese der eigenen Intention entspricht, kann man wirklich sicher gehen, dass sie korrekt aufgefasst wurde. Durch das Zuhören wird man nämlich selbst zum «Empfänger» der Botschaft, die man zu Beginn formuliert hatte.




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